
Peter Kremer
Richard
Lisa Wildmann
Helen
Ensemble 1D 1H
Tournee 27.11 – 19.12.2027
Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH
Produktion: EURO-STUDIO Landgraf / Schauspielbühnen in Stuttgart, Altes Schauspielhaus
Eine Produktion der Schauspielbühnen in Stuttgart / Altes Schauspielhaus in Kooperation mit der Konzertdirektion Landgraf. Nach bisherigen Gastspielen über Landgraf übernimmt a.gon ab der Spielzeit 2027/2028 die Tournee. Für Buchung, Terminierung und alle Fragen zur Durchführung ist a.gon Ihr direkter Ansprechpartner.
Inhalt
Richard lebt in einer „Gated Community“, einer exklusiven Wohnanlage mit bewachtem Zugang. Nach dem Tod seiner Frau hat er sich eingerichtet in einer Welt, die überschaubar bleiben soll: sicher, geordnet, geschützt vor allem, was draußen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Doch Richard sieht fast nichts mehr. Er braucht Hilfe – und muss ausgerechnet seine Tochter Helen darum bitten.
Helen besucht ihren Vater nur ungern. Sie ist Anwältin, sozial engagiert, verheiratet mit einem schwarzen Schriftsteller. Zu Richard hat sie seit Jahren ein angespanntes Verhältnis. Seine politischen Ansichten, seine Abwehr, sein Rückzug in eine abgeschottete Welt stehen allem entgegen, wofür sie lebt. Zwei Menschen, die einander einmal nah waren, haben längst aufgehört, eine Brücke zueinander zu bauen.
Dann geht in der Wohnanlage ein Alarm los. Vater und Tochter sind von der Außenwelt abgeschnitten – und plötzlich gezwungen, miteinander zu sprechen. Was lange vermieden wurde, steht plötzlich im Raum: alte Verletzungen, gegensätzliche Überzeugungen, der Wunsch, doch noch verstanden zu werden – und die Frage, ob Nähe möglich bleibt, wenn Lebensentwürfe einander ausschließen.
Beide sind blind – blind für die Perspektive des anderen, für die Verletzungen, die sie einander zugefügt haben, für die Ängste und Wünsche unter der Oberfläche. Bis eine vorsichtige Annäherung beginnt und beide allmählich erkennen, was hinter dem Streit liegt.
Die Autorin
Lot Vekemans gehört zu den international erfolgreichsten niederländischen Dramatikerinnen. Ihre Stücke wurden in über 35 Ländern gespielt und in 22 Sprachen übersetzt. In ihren Texten stehen Menschen selten dort, wo man sie zuerst vermutet. Unter der Oberfläche arbeitet etwas, das erst im Verlauf des Abends sichtbar wird: Angst, Kränkung, Sehnsucht, Abwehr.
Genau dort liegt die kontroverse Zärtlichkeit dieses Stücks: in Menschen, die einander verletzen, weil sie einander nicht gleichgültig sind. In einer Zeit, in der schnell geantwortet und pauschal verurteilt wird, führt Blind zurück zu etwas Schwierigerem: zuhören, aushalten, nicht sofort wissen. Ein Fest der Schauspielkunst, das lange nachwirkt.
Pressestimmen zur Koproduktion EURO-STUDIO Landgraf / Schauspielbühnen in Stuttgart, Altes Schauspielhaus
Stuttgarter Zeitung
Die viel gespielte und preisgekrönte niederländische Autorin lässt eine Tochter und ihren Vater mit Macht aufeinander prallen. (…) Karin Eppler (Regie) hat das sperrige Verhältnis der beiden sorgfältig inszeniert, bis in sprechende Details der Personenführung. (…) Der sehr genau und sensibel agierende Helmut Zierl konnte am Abend der Premiere übrigens sein fünfzigstes Bühnenjubiläum feiern.
Cord Beintman, 22. September 2025
Ludwigsburger Kreiszeitung
Chancengleichheit, Verteilungsgerechtigkeit, Klimawandel, ökologischer Raubbau, Rassismus – und allem voran der Generationskonflikt: Die Gegenwartsthemen-Checkliste in Lot Vekemans‘ Vater-Tochter-Stück kennt kaum eine Lücke.
(…) In ihrer Inszenierung für das Alte Schauspielhaus fokussiert Karin Eppler auf psychologisch motivierte Figurenzeichnung und kann sich dabei auf das differenzierte, feinnervige Spiel ihres Darstellertandems verlassen (…).
Harry Schmidt, 22. September 2025
Pressestimmen zur DSE in München
nachtkritik, München
Das Markenzeichen der meistgespielten niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans sind kleine Kammerspiele über große Themen. Köhler und Zapatka verwandeln den glasklaren Dialog in schauspielerische Gravitationswellen. Die zurückhaltende Inszenierung unterstützt sie geradezu aufdringlich. Und das Beste ist: Am Ende ist nichts gelöst.
Martin Jost, 29. November 2024
Die Deutsche Bühne, München
„Blind“ ist ein well-made Konversationsstück, in dem die Hass-Liebe zwischen (Einzel-)Kind und verwitwetem Vater wie in einem Ibsen-Drama entrollt wird – ohne dass es die ganz große Katastrophe in der Vergangenheit gegeben zu haben scheint. Dabei gelingt es der Autorin über Familienkonflikte hinausgehende Fragen der Gegenwart organisch einzufügen. (…) Das unaufwendige und vielschichtige Stück wird nach der Uraufführung durch die Autorin in den Niederlanden und nach dieser deutschsprachigen Erstaufführung in München Karriere machen.
Detlev Baur, 29. November 2024
Donaukurier, München
Es ist ein großartiger Text, entgrätet von allem Gelaber und damit bestens zur Abstraktion geeignet: Konflikte zwischen Generationen, das Abschotten zwischen weltanschaulichen Blasen, die Konkurrenz zwischen divergierenden Konzepten, all das verdichtet sich wie selbstverständlich in dieser dramatischen Hülle zum Dialog. (…) Ein kluger, berührender Theaterabend zur rechten Zeit.
Sabine Busch-Frank, 2. Dezember 2024
Abendzeitung München
Vekemans, eine Meisterin des Nicht-Gesagten, legt im Laufe dieses Stücks einige Fährten, macht das Publikum zu Pfadfindern durch diese beiden Leben und ihre Irrwege. Einiges klärt sich auf, anderes bleibt einfach so stehen. Durch diese Familie ging ein Bruch, als Helen einen Mann heiratete, der »anders« ist. »Ich rede von anders«, sagt Richard. »Und du meinst geringer«, erwidert Helen. Ohne je wirklich konkret zu werden, erzählt Vekemans von einer Gesellschaft, in der es zwei Gruppen von Menschen gehört, ein »wir« und »die anderen«. Eine Gesellschaft, die geteilt ist, bestimmt von Angst und Misstrauen. In der das Wasser knapp ist und der Sinn für Solidarität noch knapper. Die Angst Richards vor Überfällen auf sein Zuhause scheint unbegründet, die realen Gefahren sind abstrakter und umfänglicher. Vor ihnen schließt er die Augen, für sie ist er blind.
Anne Fritsch, 29. November 2024
Starkes Zwei-Personen-Stück
Das jüngste Stück der niederländischen Dramatikern Lot Vekemans lotet nicht nur unsentimental den schwierigen Umgang mit hilfloser werdenden Eltern aus, und das auch noch in einer zerrütteten Familie, sondern weist darüber hinaus auch allgemein auf die Unfähigkeit der Menschen, sich miteinander zu verständigen.
Christiane Wechselberger, 5. Dezember 2024
Theater plant man am besten im Gespräch.
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