Dritte Tournee 3. April bis 14. Mai 2018

Schauspiel

Deutschstunde

Schauspiel in sieben Bildern von Stefan Zimmermann, nach dem Roman von Siegfried Lenz

— a.gon Uraufführung —

Max Volkert Martens
Max Ludwig Nansen

Georg Stephan
Siggi Jepsen

Christian Buse
Jens Ole Jepsen

Judith Riehl
Ditte Nansen ǀ Gudrun Jepsen

Benedikt Zimmermann
Wolfgang Mackenroth ǀ Hinnerk Timmsen

Lesley Higl
Hilke Jepsen

Michael Althauser
Direktor Himpel ǀ Okko Brodersen ǀ General Tate

Georg Luibl
Karl Joswig ǀ Dr. Gripp ǀ Landeskommissar

Konstantin Gerlach
Klaas Jepsen ǀ Kurt Nickel ǀ Mann

 

Ensemble: 2D 7H

 

Inszenierung

 

Bühnenbild

 

Kostüm

 

Dritte Tournee 3. 4. bis 13. 5. 2018
Zweite Tournee 9. 9. bis 18. 10. 2016
Erste Tournee 4. 11. bis 21. 12. 2014
und 8. 4. bis 10. 5. 2015

 

Uraufführung am 4. 11. 2014 in Lahr/Schwarzwald
Aufführungsrechte: Rowohlt Theaterverlag Reinbek
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Wenn man Deutschland verstehen will, muss man Siegfried Lenz lesen. Der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels beschäftigt sich in der Deutschstunde mit der für unser Land durchaus typischen Thematik, dass Pflichterfüllung als Erziehungsideal lange vor Menschlichkeit ging, ganz besonders während der NS-Herrschaft. Der vielfach ausgezeichnete israelische Schriftsteller Amos Oz über Lenz: „Einer der wichtigsten Vertreter der Weltliteratur. Man stellt sich die Frage: Wie hätte ich mich damals verhalten? Lenz bringt uns dazu, darüber nachzudenken“.
Die Deutschstunde ist nach wie vor Pflichtlektüre im Schulunterricht. Nicht ohne Grund, denn Siegfried Lenz hat sich damit „zum Volksschriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur geschrieben“, wie Marcel Reich-Ranicki treffend bemerkte.

Noch nie war die Deutschstunde auf einer Bühne zu sehen. Die neue Bühnenfassung – die erste von Autor und Verlag autorisierte – ist also eine kleine Sensation.

In ausgewählten Szenen konzentriert sie das Geschehen auf das Kernthema, den Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“, den der 20-jährige Siggi Jepsen 1954 in einer Besserungsanstalt schreiben soll. Zunächst bleibt das Blatt leer, doch dann kann Siggi kein Ende finden – Heft um Heft füllt sich. Zu sehr beschäftigt ihn, was er als Kind und Jugendlicher während des Krieges erleben musste: Sein Vater, der kleine Dorfpolizist Jens Ole Jepsen, hatte seinen Jugendfreund, den als „entartet“ gebrandmarkten und mit Berufsverbot belegten Maler Max Ludwig Nansen, bespitzelt, überwacht und denunziert. (Vorlage der Figur ist der berühmte Expressionist Emil Nolde). Pflichterfüllung ging vor Menschlichkeit. Und selbst nach dem Ende des Regimes verfolgte Jepsen den Maler beharrlich weiter – seine Mission schien keinen Auftrag mehr zu brauchen.
Lenz wurde nicht nur zum genialen Denker über die deutsche Nazi-Diktatur, sondern auch zum menschlichen Botschafter zwischen dunkler Vergangenheit und demokratischer Gegenwart – vor allem mit der Deutschstunde, in der er das Unvorstellbare vorstellbar machte, getreu seinem Motto: „Ich schreibe, um die Welt zu verstehen“.